Sie reist gerne in andere Länder, nutzt Ort, Raum und Kultur, um neue Projekte zu beginnen und auszutragen. Ihr gefällt an fremden Umgebungen, dass ihr ganz einfache Dinge auffallen, während Einheimische an vielem unbemerkt aus Gewohnheit passieren.

Die amerikanische Künstlerin Yumi Janairo Roth mit deutschen, spanischen und philippinischen Wurzeln ist nach Deutschland gereist, um Kunst zu machen.

In Eugene, Oregon geboren, aufgewachsen in Chicago und einer Vorstadt Washingtons, zog es sie 1993 nach Boston, um an der School of the Museum of Fine Arts bildende Künste zu studieren. Da sie sich schon immer für Philosophie interessierte, entschied sie sich dabei für ein Duales Studium, um gleichzeitig an der Tufts University in Medford Anthropologie zu studieren.

Fünf Jahre später folgte ein Master in Metallkunde an der State University of New York.

Der Kunstunterricht, den die Professorin für Skulptur an der University of Colardo lehrt, wird derzeit von ihrer Kollegin verteten.

Bevor ich ein wenig von ihrem neuen Projekt erzähle, möchte ich zwei ältere Arbeiten vorstellen.

das Jeepney-Projekt

Jeepneys sind alte Willy-Jeeps, die von den Amerikanern während des zweiten Weltkrieges als Militär-Jeeps benutzt wurden. Nach Abzug in den Philippinen ließen sie diese ihnen zurück, die von den Einheimischen zu Verkehrsmittel umgenutzt wurden.

Wer schon mal in der Türkei war, kennt die kleinen Dolmus-Büsse. Genau so kann man sich das Prinzip der Jeenpeys vorstellen. Die Fahrten mögen mit diesen Transportmitteln günstiger sein, doch wer dort nicht lebt, weiß auch nicht, wie man mit welchem Jeep oder Bus wohin kommt.

Als Yumi Roth in den Philippinen ankam, um für andere Projekte zu arbeiten, musste ihr erst einnmal ein Cousin helfen, um sich überhaupt zurecht finden zu können. So kam die Frage auf, warum es eigentlich keine Mappen gäbe.

Dieser Gedanke wurde schneller verwirklicht als ihre Verwandten wohl glaubten. Kleine Mappen wurden verteilt und in den Jeeps angebracht, ähnlich wie wir sie in U-Bahnen kennen oder an Haltestellen.

Doch das paradoxe dabei ist: Wer einen Jeepney benutzt, braucht eigentlich gar keine Mappe.

Denn das Jeepney Prinzip setzt keine voraus, sie funktioniert per Mundpropaganda.

Warum sich also die Mühe machen, wenn sie bald wieder abreist, die Einheimischen keine Mappe benötigen, und das für Touristen ein viel zu großer Aufwand wäre und somit nichts als Zeit und Papierverschwendung?

Yumi Roth geht es bei diesem Projekt um Zeit und Raum. Die Karte verändert sich nicht, der Mensch und die Straßen schon. Kann man sich also wirklich an Mappen orientieren?

Mir gefällt das Projekt sehr gut, denn erst dadurch ist mir aufgefallen, dass man gerade aufgrund diesem Mangel an der Infrastruktur, wie man vielleicht meinen könnte, öfter in der Türkei mit fremden Menschen ins Gespräch kommt, als in Deutschland. Denn man fragt ohne Bedenken nach dem Weg, verlässt sich sogar darauf, im Notfall Passanten fragen zu können, wenn man das Haus, statt sich vorher zum Beispiel via Internet zu erkundigen.

Im Gegensatz zu Deutschland wird dabei noch einmal deutlich, wie stark die immer wieder kehrende Isolation im Alltag herrscht. Bevor ich einen fremden Menschen anspreche, suche ich immer erst nach einem Fahrplan und einer Mappe, die an jeder Haltestelle zu finden ist. Man ziert sich schon, um zu fragen. Denn es ist hier in Deutschland einfach nicht üblich.

Yumi Roth möchte vielleicht nicht direkt auf diese Kommunikation und Isolation aufmerksam machen, doch es ist ihre Absicht, Betrachtern ihrer Kunst, die Augen zu öffnen, zum Nachdenken anzuregen, um dabei ganz neue Zusammenhänge erschließen zu können.

Ein anderes Projekt, das mir sehr gut gefällt, sind die Ausarbeitung dieser Platten.

Sie sind in jedem Land zu sehen, am Hafen, auf Straßen oder in Farbriken. Es sind Gegenstände ohne jeglichen Wert. Nutzgegenstände, die kein besonderes Verhältnis zu demjenigen haben, der damit zu arbeiten hat. Es sind Helfer des Transports und dürfen dank der Künstler Yumi endlich auch schön aussehen. Roth hat aus einfachem Holz, Schnörkeln und Elfenbein ein Meisterwerk aus einem dumpfen Gebrauchsgegenstand gemacht. Wer diese Arbeitsmittel vorher nicht beachtet hat, wird es in jedem Fall jetzt tun!

Sie selbst schreibt „these object suggest a number of interpretations, including how we value labor as well as ideas about memory, immigration, and displacement.“

Nach zahlreichen Ausstellungen auf der ganzen Welt, arbeitet sie für ihr neues Projekt seit Januar mit dem Frankfurter Kunstverein zusammen.

Als sie kreuz und quer durch Frankfurt läuft und auf der Suche nach Inspiration ist, fallen ihr kleine rote, dreckige Kaugummiautomaten an jeder Ecke auf. Sie kann damit kaum was anfangen. In den USA hat sie schon einige davon gesehen, doch sie hat keinen wirklichen Bezug dazu. So machte sie sich bei deutschen Bekannten schlau.

Wer in Deutschland aufgewachsen ist, kennt sie alle. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden sie von den Amerikanern hierher gebracht.

Ich erinnere mich sehr gut daran, wie ich als kleines Kind mit jedem 10-Pfennig Stück, das ich fand, zum Kaugummitautomaten rannte, um allein meine Sehnsucht nach etwas zu stillen, dass sich hinter diesem kleinen Gitter befand.

Diese zehn-Pfennig waren es echt wert. Es gab für dieses Geld so viel mehr als nur einen ungesunden süßen Kaugummi.

Man legte die Münze in den schmalen Spalt, in den man schon so viel anderes reingelegt hatte, wenn man kein Geld, aber viel Zeit und Hoffnung hatte, drehte den schwarzen Hebel einmal um, und innerhalb weniger Sekunden rollte die Kugel hinunter und schlag an der Klappe an. Man brauchte nur noch dieses silbrige Ding anzuheben, und schon hatte man das Objekt der Begierde, schmiss es in den Mund, genoss den Geschmack der künstlichen Farbe und schlug schmatzend den Rückweg an.

Für dieses Erlebnis suchte ich unser Haus nach Geld ab, wenn keiner da war. Hatte ich das gefunden, wonach ich suchte, rannte ich jedes Mal so unglaublich schnell los, als ginge es dabei um Leben und Tod. Dabei war der Automat gerade mal einhundert Meter von uns entfernt. Für meine Eltern, war es nur ein Kaugummi hinter Gittern eines dreckigen roten Kastens, wofür sie mir ungern Geld gaben, doch damals war es für mich die Welt.Bevor es jedoch dieses Gitter gab, hinter dem sich die bunten Kugeln befanden, sah ich oftmals angekokelte Schaufenster, denn die waren vorher noch aus Plastik. So früh begann es auch schon mit der Kriminalität. Ich konnte die Gleichaltrigen damals irgendwie verstehen, doch musste ich gleichzeitig den Kopf schütteln. Ich wollte es doch auch immer wieder so unbedingt, und dann gab es doch noch immer diese winzig kleinen Spielzeuge, doch Feuer war damals etwas zu Gefährliches. Doch manchen waren diese kleinen Dinger so viel wert, dass sie riskierten, dabei erwischt zu werden.

Als Roth ähnliche Kindheitserinnerungen von ihren Bekannten hörte, beschloss sie diese Automaten zum Teil ihrer Arbeit zu machen.

Morgen beginnen die Vorbereitungen, ich werde ihr dabei ein wenig helfen. Wenn das Projekt Dein Interesse geweckt hat, schaut einfach in den nächsten Tagen auf diesem Blog vorbei.

Bilder: yumijroth.com

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