Straßenkunst bedeutet nicht, dass Kunst für die von der Straße gemacht ist. Straßenkunst bedeutet, jeder, der diese Straße betritt, darf auch hinsehen, wenn er möchte.

Kunst hängt, steht oder klebt oftmals in Gebäuden, deren Architektur an die der noblen und exklusivsten Hotels und Restaurants der Welt erinnert.

Ein Museum ist dabei eines der Etappen dieser Zielgruppe, ihre Außenfassade ein Spiegel des Äußeren der Besucher. Sie sind meist aalglatt, wie deren Wände, Fluren und Treppen glänzen Blitz und blank und gleichen dabei jenen Gebetsstätten, an denen man Götter huldigt. Als sei Kunst eine Art futuristischer Glaube.

Straßen hingegen sind meist dreckig, jeder durchläuft sie. Jeder hat Zugang zu ihnen. Straßen gehören allen. Jedoch erscheint die Decke über diesen Gängen göttlicher als jede andere.

Vielleicht ist genau das der Reiz für Künstler wie Banksy und Yumi Roth.

Es muss der Genuss der Freiheit sein, den man hier mit all seinen Sinnen wahrnimmt.

Was haben Bibliotheken mit Museen gemeinsam?  Im Kontext der Bürokratie außer unbrechbarem Schweigen, das herrscht, leider  ziemlich wenig.

Selektion findet überall statt, wo es Menschen gibt. Als sei ein Museum ein Club, dessen Publikum auserwählt ist, so scheint man mit erhöhten Preisen bereits zu filtern. Es ist nur ein spezifischer Teil der Gesellschaft willkommen. Gleiches Prinzip oder?

Ein Club ist ein Vergnügungsort, und wer sich vergnügt, der tut es gern mit denen, die einen ähnlichen Lebensstil pflegen.

Aber sollte das ein Prinzip sein, nachdem eine Einrichtung sich verhält, die mitunter Werke ausstellt, die kritisieren? Unter Anderem Lust und Vergnügen?

Yumi Roth arbeitet in ihrem Blaumann, in einer Eiseskälte, bei minus 3 Grad wie all die anderen Bauarbeiter der Konstruktion am Mainkai. Sie findet, ihrem Werk wird im neuen Kontext eine andere Bedeutung gegeben. Ein wesentliches Merkmal der Straßenkunst.

Doch das Resultat der Straßenkunst ist die Freiheit beider Seiten. Sowohl Künstler als auch Betrachter genießen es endlos.

Die Bauarbeiter sind neugierig. Sie fragen mich, was es auf sich hat. Für was denn überhaupt geworben wird. Einer von ihnen erzählt mir, dass er immer über alles informiert sein muss, denn er hat schließlich eine siebzehnjährige Tochter, da muss das so sein, sagt er. Einer seiner Kollegen erklärt mir, dass er nur von anderen über Kaugummiautomate gehört hat. Es stellt sich ziemlich schnell heraus, dass er Türke ist. Denn er fragt mich, woher ich komme, so frage ich ihn, woher er kommt. Er fragt ziemlich deutsch, ob wir denn überhaupt eine Erlaubnis dafür haben.

Yumi Roth sagt darüber selbst, dass sie den Zugang finden, weil es der Arbeitsraum der Arbeiter ist. Ihr Interesse wird geweckt, wir halten uns schließlich seit Stunden in ihrem Territorium auf.

Mir fällt dabei auf, dass die Arbeiter sich an diesem Ort sehr frei beim Interpretieren fühlen. Sie stehen unter keinem Druck, vor Ihnen steht keiner mit einer aufgesetzten Brille, der sie verunsichert.

Man plaudert in der Kälte über die Kindheit und erwärmt sich bei diesem Gedankenspiel. Irgendwie auch günstiger als die Beheizung eines 5600 Quadratmeter großen Bauwerkes.

Der Arbeiter, der in Leipzig aufgewachsen ist, und viele von diesen Automaten gesehen hat, wollte sein Geld als Zehnjähriger lieber für andere Dinge ausgeben, als für Kaugummis oder Plastikringe, wie erzählt er. Er findet, dass diese Plakate die Trashkultur widerspiegeln. „Man kauft, um es dann wieder wegzuschmeißen.”

Jeder interessiert sich für Kunst, wieso auch nicht? Jeder interessiert sich schließlich auch für sich selbst.

Nur hat nicht jeder einen Zugang zur Kunst. Es ist eine verschlossene Tür für diejenigen, denen es an (finanzieller) Möglichkeit fehlt. Kunst als Interesse ist zu exklusiv.

Stiftungen, wie das Haus der Geschichte in Bonn erlauben es jedem, es zu besuchen. Nach dieser Stiftung kommt das Essler Kunstmuseum der Gegenwart bei Wien, da sich Einrichtungen als Vorbild nehmen sollten. Für Arbeitslose ist der Eintritt frei, somit hat jeder freien Zugang zur Kultur. Auch andere namhafte Museen wie das Louvre oder das Istanbul Modern bieten an einem Wochentag kostenlosen Eintritt.

Und gehört Kultur nicht auch zur Identifikation, zur Selbstfindung? Selbst das Jüdische Museum in Berlin verlangt 5 Euro Eintritt. Fürs Leben lernen kostet, den Geist entwickeln, kostet, die Vergangenheit der Vorfahren erfahren, kostet.

Es geht hierbei nicht darum, die Preise der Bilder zu senken. Es geht nicht darum, dass es sich jeder leisten kann wie Brad Pitt ein Rauch-Bild über die Couch zu hängen.

Nein, darum geht es nicht.

Es ist, als seien die Bilder damals für die Privilegierten gemalt worden, um sie Jahre später genau den gleichen zu zeigen oder gar zu verkaufen.

Ein Gedanken den zahlreiche Museen leider nur unterstützen.

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