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04.März 2011.Düsseldorf, Modestadt, Fashion Net Bite. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Düsseldorfer Vereins Fashion Net e.V. nach der erfolgreichen „Fashion Net Night“ wird die erste “Fashion Net Bite” eröffnet, wozu sie als Gast den „Fashion Dandy“ Kilian Kerner für sich gewinnen konnte. Als Forum für „Designer, Modeexperten, aber auch alle Grenzgänger zwischen Mode und Kunst“ wird sich das neue Format in Zukunft etablieren.
Die Veranstaltung wurde mit einem Video der letzten Kollektion eingeführt, die auf der Fashion Week Berlin 2011 gezeigt wurde, für die der Künstler vom Publikum einen ohrenbetäubenden Applaus und standing ovations erhielt.

Seine Herbst/Winter Kollektion 2011/2012 besteht aus sehr viel mehr als nur Stoff und einer zeitorientierten Kleidungsart, wie wir es von vielen Designern kennen. Sie gleicht mit ihren hochwertigen Materialien wie feinster Seide und Wildleder, den klaren Linien und klassischen Schnitten, die einen Hauch von futuristischen Elementen in sich tragen, einer puristischen Strömung, die eine Zusammenschließung von Ästhetik und Funktion gekonnt umsetzt. Sie erweist sich mit ihren einzelnen dekorativen Farb und Formakzenten noch immer als das, was kaum einer schafft: zeitlos und tragbar. Doch allein bei dieser Modekunst bleibt es nicht. Kilian Kerner beweist allein durch die Benennung seiner Kollektion „Leg dich neben mich“, Titel eines seiner Gedichte, Innovation , Authentizität und vor allem Gefühl. Denn genau darum geht es ihm. Vor seiner Karriere als Designer, studierte er einst Schauspiel in Köln und Berlin. Emotionen sind seine Inspirationsquelle, was sich im interessanten Dialog zwischen ihm und dem sympathischen Moderator des Fashion Nets Wolfgang Hein herauskristallisiert. Er lässt sich gerne in Stimmungs- und Gefühlswelten treiben. Das spiegelt auch deutlich seine Kollektionen, die von Mode Kunst und Musik geprägt sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Designern gibt es bei seinen Shows Live-Musik, wozu er meist den Text selbst schreibt. Das Laufen der Models wirkt dadurch theatralisch, die Show an sich wird mit Musik und den Models zu einer Inszenierung, das Podest zur Bühne.

„Vom Gefühl des totalen Verliebtseins mit Bauchkribbeln wie im Waschmaschinenschleudergang bis hin zum Selbstmord eines mir nahe stehenden, noch sehr jungen Menschen. Grenzlose Vertrautheit und das Gefühl von Ohnmacht – das alles habe ich genutzt, um etwas Schönes und Positives zu schaffen.“

Von Secondhand zu Secondhandladen eilend, sammelte er Jeans und andere Kleidungsstücke und fand seinen Durchbruch mit dem, was man „customizing“ nennt: Kaufen, verändern, weiterverkaufen.
Freunde und Bekannte trugen die Kleidung, die Kerner mit Handwerk und Kreativität zu etwas machte, dass Aufmerksamkeit auf sich zog. Prompt sprach man ihn an, so gelangte er mit viel Unterstützung zur Modewelt.
Zwei Jahre mit Höhen und Tiefen mit mehr als zwei Kollektionen im Jahr hat der Designer hinter sich, bevor er seine zwei Labels auf den Markt führte. Die erste bezeichnet er als Premium-Linie, die zweite ist eher an die Masse gerichtet, denn sie besteht grundsätzlich aus Jersey und Strick Basics.
Fan von seiner Mode sind unter Anderem „der Vorleser“ David Kross, Tokio-Hotel Star Bill Kaulitz, die deutsch-türkische Moderatorin Nazan Eckes und Schauspierlerin Anke Engelke. Und von wem ist er begeistert? Cate Blanchett. Wenn es eine gibt, durch die er seinen Stil definieren könnte, dann nur sie.

Von einer Produktion in Asien hält er nicht viel. Er lässt lieber in Europa nähen. Ihm kommt es darauf an, dass die eigene Wirtschaft angekurbelt wird und allem voran: auf Qualität.

Wolfgang Hein möchte von ihm wissen, was er über Modeblogger denkt. Die seien „gefährlich“ findet er, denn Dreizehnjährige, die nichts über Mode wissen, beginnen, pubertär zu reagieren, wenn man sie nach 100 Anfragen nicht zur Show einlädt. Nicht, dass er keine Blogs liest, denn das Internet an sich ist eine gute Informationsquelle, doch betont er parallel dazu die Wichtigkeit der Magazine, die für ihn einen unaustauschbaren Stellenwert haben.

Für die Zukunft plant er gleich zwei neue Shoperöffnungen. Als glücklich können sich dabei Berlin und Frankfurt bezeichnen. Die Vorbereitungen laufe, denn im August soll es auch schon losgehen.

Er stellt klar, dass der Damen und Herrenmode gleich intensiv nachgegangen wird.
Doch er findet, es gibt’s nichts Schöneres als ein Kleid an einer Frau zu sehen. Doch auch das Entwerfen der Männermode macht ihm Spaß. Er bedauert nur, dass sich dieses Geschlecht kaum der Mode zuwendet und mit Jeans, einem einfachen Shirt und einem Anzug von Hugo Buss, der Sicherheit bietet, viel zu schnell zufrieden gibt. Er denkt, allein mit mehr Mut könnte sich das verändern.

Und was er von der Gleichsetzung von Kunst und Mode hält? Bei dieser Antwort lernen wir einen selbstkritischen und vor Allem ehrlichen Designer kennen. Abgesehen von Haute Couture ist Mode keine Kunst, sagt er, denn sie basiert auf Konsum und Kommerz. Doch was erst abschreckt, gefällt auch später, witzelt er.
Er lehnt es nicht ab, als Künstler bezeichnet zu werden, doch bodenständig wie er ist, bezeichnet er sich nicht selbst als einen.

Die Kritik, die ständig über die Modestadt Berlin ausgeübt wird, empfindet er nicht unbedingt als konstruktiv. Schließlich bestehen die Fashion Weeks in Paris, New York und Mailand schon seit Jahrzehnten.

Kerner wünscht sich von der Modewelt für Berlin mehr Unterstützung, eine größere Förderung der Kreativität, mehr Lob und erhofft sich auch eine stärkere nationale Zusammenarbeit zwischen den Modestädten Berlin und Düsseldorf.

Das wünschen wir uns auch von der Modewelt, damit es noch mehr KUNST zu sehen gibt in der bestehenden Modewelt und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und ganz besonders viel Inspiration! 😉

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