Ich verdamme dieses Stück Stoff, ob aus Seide oder Baumwolle, ob vom Basar oder von Louis Vuitton, ob in der Türkei in rot getragen oder in Saudi Arabien in schwarz. Bis zu diesem Tag, bis zu dieser Ankündigung. Denn dieses Stück Stoff war so viel mehr, als nur ein vermeintliches Hilfsmittel, wenn es darum ging, nach dem Tode den Himmel zu erreichen.
Es war freiheitsraubend. Es war menschenverachtend. Es war erniedrigend. Es war stimulierend. Es war entmachtend.
Dieser Schleier in der arabischen Welt war wie ein Genozid des weiblichen Geschlechts.

Eine Millionen Variationen über die Gründe, warum eine Frau dem Islam nach ein Kopftuch tragen sollte, eine Millionen variierende Mythen, wie die Strafe nach dem Tod aussieht.
Doch heute erlebte dieses Stück Stoff einen Umbruch, der ihm für die Zukunft eine völlig neue Bedeutung geben sollte.
Seit Jahren sehen wir die stillschweigende Kopftuchträgerin auf den Straßen hinter ihrem Mann laufen, während sie in den Medien erst überhaupt keine Erwähnung finden. Weder in Kunst, noch in hoher Literatur, geschweige denn im Leben selbst. Bis heute.

So unterschiedlich die Kulturen, so unterschiedlich die Farbe ihrer Tücher. Doch die vom Osloer Komitee für den Friedensnobelpreis geehrten drei Frauen haben eines gemeinsam: Sie kämpfen mit bunten Tüchern auf erhobenen Haupt für das Recht der Unterdrückten!

Ausgezeichnet wurden die jemenitische Bürgerrechtlerin Tawakkul Karman, die Friedensaktivistin Leymah Gbowee und Ellen Johnson-Sirleaf, die Präsidentin der Repubik von Liberia.

Das Komitee begründet seine Entscheidung mit folgenden Worten: “Wir können Demokratie und dauerhaften Frieden auf der Welt nicht erreichen, wenn Frauen nicht dieselben Möglichkeiten wie Männer zur Beeinflussung von Entwicklungen auf allen Ebenen der Gesellschaft bekommen.”

Mit zurückgenommenen, eingewickeltem Haar kämpften sie, nicht als Frauen, sondern viel mehr als Menschen. Sie zeigen ihre Gesichter, sie zeigen, wer sie sind. Ihr Körper bringt ihre revolutionären Gedanken in dieser Welt zum Ausdruck. Er wird nicht als Reizmittel in einer Welt genutzt, in der das Haar zur Verführungsstrategie der Frau gehört, die das Tragen von offenem Haar nicht als Freiheit schätzt.

Dass sich das Haar nach dem Tod dieser Frauen zu Schlangen verwandeln wird, die sich bissig um ihren Hals wickeln, um die Träger der Sünden zu würgen, sollte endlich als eines der größten Lügen der Weltgeschichte deklariert werden.
Dieses Stück Tuch bedeutet heute Hoffnung auf Veränderung und Verbesserung. Denn die Stimme einer Frau wird man mit lösbarem Material niemals auslöschen können.

Advertisements