“Vielleicht könnte man den Herrn dort vorne fragen, wo Louis Vuitton in Frankfurt steht?”

Bankenstadt Frankfurt. Eine Szene wiederholt und unbemerkt in jeder deutschen Großstadt, die vor der Ankunft nur das Licht ihrer grauen Gebäude in der Nacht geltend macht. Vor dem Ausgang des Hauptbahnhofs ist einer von vielen auf der Suche nach Flaschen. Dass er die gefunden Flaschen der Fremden in einer Tüte einer Highbrand-Marke transportiert fällt natürlich keinem auf. Er wird aber bemerkt, von einem alten Mann und dem, der die Szene festhalten möchte. Der Blick, der von der Linse eingefangen wird, ist alles andere als objektiv. Erkennst du die Mimik des Herrn mit einer Plastiktüte in der Hand? Distanziert, Abwertend, richtend.
Würde denn auch genau dieser Herr einen Menschen mit diesem Blick beäugen, der gerade einen Glaswein zu Munde führen würde, mit eben genau dieser großen braunen Tüte in der Hand, die nicht mit Flaschen sondern mit Textilien gefüllt wäre?

Welten sind so unterschiedlich wie Menschen. Was für den einen zur Etikettierung einer Persönlichkeit ohne Selbstvertrauen und ohne Bescheidenheit, Mittel zur Darstellung von Erfolg und Wert ausgenutzt wird, ist für den anderen nichts als ein Mittel mit Tragefunktion von abgenutzten Flaschen, die aus dem Müll gefischt werden, um sich Grundbedürfnisse besorgen zu können. Oder aber einer Sucht nachzukommen? Wenn Mangel zur Sucht führtn leben der Obdachlose und der Luxusmensch sicher doch in nur einer Welt gemeinsam.

Muss das wirklich sein? Der eine hat zu viel, der andere hat zu wenig. Viel zu viel, und viel zu wenig.
Anschuldigungen, Vorwürfe, Beleidigungen – das brauchen wir hier alles nicht. Der Mensch hat seinen eigenen Willen. Zumindest der in der Welt Nummer 1.
Was möchte man aus seinem Leben machen? Wer möchte man in diesem Leben sein? Diese Fragen sind ein Privileg für uns.
Tagtäglich sehen wir die, die gescheitert sind, und wir sehen die, die alles daran setzen nicht zu scheitern.
Wo findest du dich selbst?

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