Sieh einmal genau hin, so sehr der Fokus auch den Eindruck machen mag, einen anderen Punkt in Sichtweite zu haben.
Auf den schwarzweiß Bildern von Ken Ronsenthal sind Frauen ohne Gesichter zu erkennen. Der Fokus liegt ganz wo anders. Etwa in der Seele als auf dem sichtbaren Körper? Wer sind diese Frauen? Bist du es, bin ich es?
Sie balanciert am Pool, sie läuft durch die Wiese und dem Meer entlang. Die Bilder aus dem Jahre 2001 entführen uns in eine längst verlassene Welt, in die wir wieder kehren möchten.

Und doch jenseits des Träumens stellt man sich die Frage, wieso ein Künstler sich für solche Aufnahmen entscheidet. Beherrscht er denn nicht sein Handwerk? Er beherrscht es wie kein anderer, denn er schafft Kunst. Die Handhabung des Fokus’, der Umgang mit dem, was in der Gegenwart als ästhetisch gilt, wird aufgerüttelt, indem sich Ken Rosenthal den gegebenen Idealformen der Betrachtungen wiedersetzt. Er setzt sich der bloßen Wiedergabe des Gesehenen hinweg, und verleiht dem Bild eine Tiefe, die zu oft in der Fotografie fehlt, die nichts als eine Kopie der Gegebenheiten darstellt.
Was ist Wahrheit? Wer will ich sein?
Ken Rosenthal wirft große, wesentliche Fragen auf, die zum Nachdenken anregen.

Advertisements