Kunst bewerten ist eine eigene Kunst wie das Leben selbst. Denn gelebt und gedacht sind zwei Dimensionen. Wer es schafft, sich zwischen ihnen zu bewegen, findet die Balance. Heute widme ich mich Andy Warhols Werk “Hermann Hesse”, das unter Auftrag für den Suhrkamp Verlags 1984 entstand.

Der Kunstströmung Pop-Art wird vorgeworfen, sie sei banal und ohne Inhalt. Tatsächlich ist die Kunst, die aus einer konsumorientierten Gesellschaft mit einem Wertesystem, das den Mensch an Erfolg, Ruhm, Schönheit und Geld misst, keine Belehrungskunst. Doch die Auseinandersetzung mit dem Trivialen selbst kann eine tiefgründige sein. Denn sei auch die Kunst als Produkt einer Gesellschaft zu betrachten, die als Synonym seines Weltbildes einsteht, so kann im Nachhinein die Kunst als gut oder schlecht bewertet werden. Was für den Mensch der Gegenwart zählt, ist nicht nur Blick in den Spiegel, sondern einer, der auf die Vergangenheit gerichtet ist. Hilfreich ist dieser bei der Analyse einer Gesellschaft, von der wir kein Teil sind, also ohnehin. Sobald der Prozess Warhols zur Vergangenheit wird, ist er also für uns interessant.
Hermann Hesse wurde mit dem Werk Warhols ikonisiert. Die Nachwirkung des Pop-Art dehnt sich heute noch in unserer Gesellschaft aus. Doch eine Epoche, die lebt und genießt wie schon zu Beginn der 70er hat heute nicht mehr viel übrig für den Großen der Literatur. Genau das ist es, was uns das Werk Warhols verrät.

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