In meinem Alptraum von letzter Nacht spürte ich eine Angst, vor der ich mich lange zuvor bewusst fürchtete. Durch meinen Körper fuhr die Zeit, rasend schnell, ich sah die Zahlen rennen, sie fielen die Treppe hinunter die Zahlen, sie machten mich alt, sie machten mich älter ohne gelebt zu haben. Sie zählten ungewohnt schnell dem Tode entgegen. Ich konnte sie nicht aufhalten. Es schmerzte. Der Gedanke, älter zu werden schmerzte nicht im Traum, der Gedanke die Jugend zu verlieren, schmerzte. Denn um zu reifen, muss man gelebt haben. Um zu leben, muss man reifen. Es schmerzte, älter zu werden, ohne das Leben zu leben. Die Zahlen liefen mir davon wie das Leben, schweigsam gefesselt sah ich sie an mir vorbei ziehen, mein Leben vorbei ziehen.

Erwachen wir eines Tages, blicken in den Spiegel und sehen, dass unser Leben sich dem Ende neigt. Wer hat nicht die Angst, vor diesem Tag, wenn er bemerkt, dass er keines seiner Träume gelebt hat?

Je älter ich werde, desto seltener fragt man mich, “was möchtes du einmal werden, wenn du groß bist?” Ich bin noch nicht groß, ich bin erst dann groß, wenn ich etwas geworden bin. Wenn wir älter werden, wenn wir meinen, dem Kind nicht zu gleichen, fragt man uns nicht mehr, man hört auf. Dabei werden wir jeden Tag, jede Sekunde. Wir werden groß, wir werden klein. Wir nähern uns Träumen, wir entfernen uns von ihnen.

Ich glaube nicht daran, alt zu werfen, ich glaube an ein Leben, indem man reift, und größer wird, nicht schwächer. Ich glaube nicht daran, meine Jugend zu verlieren. Die Jugend lebt in mir, solange ich sie selbst nähre, solange ich zulasse, jung zu sein, frisch und munter. Dazu braucht es die Augen eines Kindes, sie formen meine Gesichtszüge, sie zaubern das Lächeln, wenn ich naiv mit reinem Herzen an meine Träume glaube, an die Menschen, die ich liebe, an die Magie des fliegenden Marienkäfers, an die Magie seiner sich spiegelnden Punkte, die mir Glück bescheren. Die Augen eines Kindes machen mich erst zum Kind, das unschuldige Herz, die große Hoffnung, der Glaube an das Gute, die Frage: Was will ich werden, wenn ich groß bin.

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